eingelebt

Im letzten Blogartikel habe ich ja eigentlich nur geschrieben, was bis zu meiner Ankunft in Nanchang passiert ist. Jetzt sollte ich vielleicht doch noch ein bisschen über mein Leben hier erzählen.

 

Die Gastfamilie ist wirklich super. Die Eltern können gar kein Englisch (Also doch, der Vater kann etwa zehn Wörter, glaube ich) und deshalb ist es manchmal ein bisschen schwer, miteinander zu sprechen. Sie sind aber beide total lieb. Und irgendwie klappt es meistens auch mit der Verständigung. Ich merke, dass ich immer mehr von dem verstehe, was sie mir sagen. Zum Chinesisch lernen ist das also super. Und dann habe ich ja zum Glück noch meine Schwester, die für chinesische Verhältnisse sehr gut Englisch spricht. Sie kann dann manchmal übersetzen. Wir sind übrigens auch in der gleichen Klasse, worüber ich ganz froh bin. Aber über die Schule schreibe ich nächste Woche oder so. Die Familie ist also wunderbar und ich fühle mich hier irgendwie schon ziemlich zu Hause.

 

Die Wohnung ist total schön, recht gross und sieht ziemlich so aus, wie auf den Fotos, die ich hatte. Sie ist zweistöckig und hat Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, Arbeitszimmer, Elternschlafzimmer, das Zimmer meiner Schwester (in dem aber im Moment ich schlafe), noch ein Schlafzimmer (das wäre glaube ich meines, es hat aber noch keine Matratze fürs Bett), ein Badezimmer, noch so etwas wie ein Badezimmer, wo die Waschmaschine steht, und hinter der Küche hat es noch ein Badezimmer (mit chinesischer Toilette und einer Dusche, wo der ganze Raum überflutet wird. Dieses Badzimmer verwenden sie aber eigentlich nicht, glaube ich). Von aussen sieht das Haus eigentlich recht hübsch aus, aber total alt und verlottert und verrostet. Und das Treppenhaus… Also eine Eingangstür unten am Treppenhaus gibt es nicht, Licht auch nicht (also künstliches, Fenster hat es schon, aber keine Scheiben), einen Lift gibt es selbstverständlich auch nicht, das Ganze ist eigentlich einfach aus Beton und naja, ich mach dann mal ein Foto. :-) Aber eigentlich ist es mir herzlich egal, wie das Treppenhaus aussieht, die Wohnung ist super. Ach ja, der Strom fällt in unserem Haus auch gerne mal aus. Was einem aber nicht wirklich erstaun, wenn man die Stromleitungen hier in der Gegend anschaut. Das sieht irgendwie so aus, als hätte jeder ein bisschen daran rumgebastelt, wie er gerade Lust hatte.

 

Die ersten zehn Tage hatten wir ja noch Schulferien, da haben wir auch ab und zu etwas unternommen. Am zweiten Tag waren wir bei den Grosseltern (väterlicherseits), weil die Grossmutter Geburtstag hatte. Die haben ein richtig grosses, wunderschönes Reihenhaus in einer ganz schönen Umgebung. Onkel, Tante und Cousine wohnen auch noch da, glaube ich. Am nächsten Tag sind wir mit der anderen Cousine ins Kino. Einmal waren wir in einem Museum der Partei. In einem Supermarkt einkaufen (Oh mein Gott, der war so riesig. Das Shampoo-Regal war (nicht übertrieben!) etwa 20 Meter lang, das Zahnbürsten-Regal auch mindestens 5 Meter. Das Zahnpasta-Regal sogar noch länger.) Dann waren wir mit den anderen Austauschschüler und ihren Geschwistern UNO spielen und Boot fahren (die Fotos davon sind in letzten Blogartikel). Einmal waren wir noch in soEin paar mal war ich noch mit meiner Schwester und ihren Freundinnen in die Stadt oder essen gegangen. Dann mussten wir noch auf die Polizeistation, für das ‚Accomodation Registration Form for Foreign Nationals‘. Und mit Miss Li und den anderen Austauschschülern auf die grosse Polizeistation, um das neue Visum (das dann das ganze Jahr gültig ist) zu beantragen. Ansonsten schaut meine Familie sehr gerne fern. Über chinesisches Fernsehprogramm schreibe ich auch ein anderes Mal… :-)

 

Seit dem 1. September müssen wir zur Schule, das heisst, es bleibt nicht mehr viel Zeit für Anderes.

 

Am Sonntagabend (also vor einer Woche) hatten wir „AFS-Party“. Das war so ein Abendessen mit uns Austauschschülern, unseren Geschwistern, drei ehemaligen Austauschschülern, drei Schülern, die dieses Jahr nach Deutschland gehen, unseren beiden Miss Lis (die AFS Lehrerin und die Chinesischlehrerin), noch drei anderen Lehrern und dem Rektor. Das Ganze war richtig chinesisch, irgendwie. :-) Wir sassen alle an einem grossen, runden Tisch mit einer drehbaren Glasplatte in der Mitte, wo das Essen steht. Am Anfang hat der Rektor eine kleine Rede gehalten. Ich glaube, die haben schon gewisse Erwartungen an uns. Jedenfalls erzähle er ganz begeistert von dem Franzosen vom letzten Schuljahr. Und während dem Essen sind immer wieder irgendwelche Leute aufgestanden und haben miteinander angestossen. Bzw. mit der Glasplatte, weil man zu weit auseinander sass. Das ist anstrengend, da kommt man kaum zum Essen. ;-) Vor dem Essen waren wir noch Karaoke singen und danach wieder in so einer komischen Spiele-Bar. Wo wir schlussendlich, weil UNO besetzt und alles andere zu kompliziert war, Halligalli gespielt haben. Falls ihr das zu Hause habt, spielt das wieder einmal, das ist lustig! :-D

 

Am Donnerstagabend war ich mit den Eltern (die Schwester war natürlich in der Schule) zu einem Park gefahren. Der war an einem der Seen (mitten in der Stadt) und es war total schön dort. Am anderen Ufer hat es ganz viele moderne Hochhäuser und Lichter. Und es hatte Wellen, weil es so gewindet hat, das war wie am Meer. Und ganz viele Fledermäuse. Es war total wie in den Ferien, man hat einmal richtig gemerkt, dass wir hier im Süden sind. Also dass das Wetter heiss ist, habe ich auch schon gemerkt. Aber es hatte eben auch Palmen und so. Nachher sind wir noch dem See entlang spaziert. In so einer Art Allee, mit farbig beleuchteten Bäumen. Das ist so richtig, schrecklich kitschig, aber irgendwie gefällt es mir. :-) Es hatte da ganz viele Leute, die da einfach am Abend ein bisschen spazieren gegangen sind. Oder joggen. Oder irgendetwas dazwischen. Dann kann man auch noch die Arme kreisen, schwingen, klatschen, … Meine Eltern waren übrigens die ganze Zeit im Pyjama. Und sie waren auch nicht die einzigen. Wir haben hier sowieso den ganzen Tag das Pyjama an und ziehen uns erst um, wenn wir nach draussen gehen (oder eben auch nicht).

 

Gestern Abend hatte es ein Erdbeben. Ich war im Bett und habe noch ein bisschen Ipod gehört, da kommen die Schwester und Mutter rein und haben gefragt, ob ich gemerkt habe, dass es gebebt hat. Habe ich nicht. Hmmm. Die Schwester meinte, dass das Haus gewackelt habe. Wir sind dann alle aufgestanden, der Vater und die Schwester haben ein bisschen rumtelefoniert und schlussendlich sind wir dann rausgegangen. Wo es noch einige andere Leute hatte. Es hatte also wirklich gebebt. Naja, nach einer Viertelstunde oder so sind wir wieder nach oben gegangen. Im Fernsehen hiess es, dass das Beben eine Stärke von 4.6 hatte, aber wo das Zentrum war, weiss ich nicht (jedenfalls nicht bei uns, denke ich. Aber vielleicht kommt heute ja noch etwas darüber). So häufig gibt es hier aber auch keine Erdbeben, das war erst das zweite, dass meine Schwester erlebt hatte. Und es war also wirklich harmlos, aber immerhin ein kleines Erlebnis. :-)

 

Morgen ist 中秋节 (zhongqiujie), das Mondfest. Wörtlich übersetzt heisst es aber Mittherbstfest. Deshalb haben wir jetzt tatsächlich Samstag, Sonntag und Montag frei.

 

Ich denke, ich werde jetzt dann ein bisschen kürzere Blogartikel schreiben, über irgendein Thema. So lange Blogartikel sind langweilig. Als nächstes sicher über das Mondfest und dann mal über die Schule.

 

Mir geht’s übrigens immer noch wunderbar. Ich bin jetzt schon drei Wochen hier. Eigentlich ist die Zeit extrem schnell vorbeigegangen. Aber man gewöhnt sich total schnell an alles. Ich meine, ich war gerade mal ein bisschen mehr als eine Woche lang in die Schule gegangen, und das ist schon der totale Alltag. Und übrigens ist das Wetter nicht mehr so heiss.

 

Also, das war’s dann mal. Ich versuche, bald wieder zu schreiben und zuerst mal noch die beiden ersten Artikel hochzuladen.

 

拜拜!(baibai) (Der in China eindeutig am häufigsten verwendete Satz.)

 

Miranda

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Kommentare: 2
  • #1

    Mitteleuropäerin (Freitag, 23 September 2011 09:09)

    Eine sehr interessierte Person möchte ein Referendum gegen die verkürzten Blog Artikel Einlegen, denn für uns Mitteleuropäer ist das Leben in China doch sehr fremd. Und wir möchten gerne so viel wie möglich über dein Leben dort erfahren.

    Ich wünsche dir noch eine sehr schöne Zeit.

  • #2

    Silvi (Sonntag, 23 Oktober 2011 04:28)

    dein zimmer ist ja der totale hammer!

Ja, ich bin eine schreckliche Blogschreiberin. In letzter Zeit habe ich es eigentlich sogar fast geschafft, mein Versprechen einzuhalten und zwei Artikel pro Woche zu schreiben. Nur habe ich immer nur damit begonnen und sie nicht zu Ende geschrieben. Das hole ich gerade nach und lade die Artikel dann nach und nach hoch. Fragt euch also nicht, wenn ploetzlich ein Blogartikel von Ende Februar auftaucht, den ihr vorher noch nie gesehen habt! Kürzlich hochgeladen:

Dieser blog soll euch während meinem austauschjahr in china 2011/2012 ein bisschen auf dem laufenden halten.

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danke

an alle, die irgendwie dazu beigetragen haben, diesen traum zu verwirklichen.

谢谢。