gesessen

Ich habe ja schon länger einen Blogartikel über die Schule versprochen. Und da ich jetzt seit einem Monat zur Schule gehe [Unterdessen sind es 4 Monate…], könnte ich den jetzt auch wirklich mal schreiben. Ich habe es nur immer aufgeschoben, weil ich befürchte, dass dieser Text ein bisschen lange werden könnte.

 

Die Schule hat am 1. September begonnen, was auch extrem sinnvoll ist, weil das ein Donnerstag war. Aber ja. Zuvor war ich einmal schnell in der Schule, weil die Kopien von meinen Dokumenten wollten. Am 31. August mussten wir auch schon in die Schule gehen, weil wir da die Bücher bekommen sollten. Da habe ich also das erste Mal meine Klasse gesehen. Die übrigens irgendwie 60 Leute hat. So genau weiss ich das auch nicht. Wir (also meine Schwester und ich) sind dann aber eigentlich gleich wieder gegangen, weil wir Austauschschüler (selbstverständlich in Begleitung von unseren Geschwistern) mit Miss Li (die AFS-Lehrerin) zur Polizeistation mussten. Das dauerte dann natürlich ewig. Weil diese Polizeistation für Ein- und Ausreise irgendwie am anderen Ende der Stadt war (Ich glaube, es war nicht das Ende der Stadt. Aber es war weit. Und wir sind über einen Fluss gefahren, über den ich vorher noch nie gefahren bin. Vielleicht ist es aber auch der gleiche Fluss, bei dem wir sonst untendurch fahren. Jedenfalls: Diese Kleinstadt ist eindeutig riesig, ich habe hier null Orientierung und Flüsse hat es auch ganz viele, das hilft also nicht weiter). Und unsere Geschwister haben es irgendwie nicht geschafft, mit dem Bus dorthin zu fahren, also hat uns schlussendlich (nach langem Warten selbstverständlich) unser Vater mit dem Auto hingefahren. Zu siebt, zum Glück hat unser Auto ein grosser Kofferraum. In der Polizeistation: komplizierte Formulare, warten und keine Ahnung haben, was wir gerade machen. Wie nicht anders zu erwarten. Dafür wusste ich danach, weshalb wir die Dokumente in der Schule kopieren mussten, diese Kopien hatte Miss Li dann nämlich dabei, die brauchte es auch für die Beantragung von was auch immer wir beantragen wollten. Und da wir zehn Minuten zu spät waren, um die 400 Yuan zu bezahlen, mussten wir bis nach dem Mittag warten und gingen in das nächste Restaurant. Das nicht unbedingt appetitlich aussah und etwa gleich gross war wie das WC in gewissen anderen Restaurants. Aber die Nudeln haben wirklich nicht schlecht geschmeckt. Und haben 7 Yuan (~ 75 Rappen) gekostet, wovon aber wahrscheinlich die Hälfte die Flasche Pepsi war. Ähm ja, vor einer Woche ging dann mein Gastvater wieder auf die Polizeistation, um das abzuholen, was wir an dem Tag beantragt hatten, und jedenfalls klebt in meinem Pass jetzt eine Aufenthaltsbewilligung für Nanchang, die bis Ende Juni gültig ist.

Auf dem Heimweg von der Polizeistation sind wir dann noch bei einer Klassenkameradin vorbeigegangen, um Xinlings Schulbücher abzuholen. Der Stapel war eindeutig mehr als einen halben Meter hoch. Und dabei sind die Bücher nicht einmal dick. (Und sie bekommen auch immer mal wieder nochmals neue Hefte). Ich habe keine Bücher bekommen, macht auch nichts. :)

Vom 1. bis 3. August hatte ich also meine erste halbe Schulwoche. Und nachher hatte ich langsam das Gefühl, dass meine Schule wirklich total unchinesisch ist. Aber diese erste halbe Woche war noch nicht so normal, unterdessen habe ich gemerkt, dass die Schule doch sehr chinesisch ist. Also so, wie ich mir das immer vorgestellt habe.

 

Ein chinesischer Schultag:

~ 6:20 – 6:50 Ich werde von meiner Schwester geweckt (Wobei, meistens wache ich schon von selbst um 6 Uhr oder so auf. Ich weiss auch nicht warum, ich mag Morgen immer noch nicht…)(Unterdessen werde ich übrigens nicht mehr geweckt, jetzt stelle ich selbst den Handywecker), stehe dann sofort auf und mache mich für die Schule bereit. Manchmal essen wir auch noch Frühstück. Unter der Woche kaufen wir aber meistens auf dem Schulweg das Frühstück und essen es dann bevor der Unterricht anfängt oder während einer Pause. Zur Auswahl stehen Nudeln (Reisnudeln, die etwa wie Spaghetti aussehen. Die sind eine Spezialität von Nanchang, habe ich letzte Woche erfahren. An die Nudeln kommt Ingwer, Knoblauch, Sesamöl, Sojasauce, eingelegte Kürbisse und natürlich Chili. Laut einer Internetseite von Nanchang, aber das könnte etwa übereinstimmen, habe ich das Gefühl. Diese Nudeln sind allein schon Grund genug, sehr glücklich zu sein, in Nanchang gelandet zu sein. Ich liebe die und angeblich gibt’s die nur in Nanchang), Baozi (das ist so etwas wie ein rundes Brötchen mit Gemüse- oder Fleischfüllung) oder etwas, wovon ich der Name nicht weiss und auch nicht so genau sagen kann, was es ist. Innen Reis und aussen eine dünne Schicht Teig, so etwas in dieser Art. Und eine Tüte Milch trinken wir meistens auch noch. (Und ich habe immer gemeint, Chinesen vertragen keine Milch. Aber wir trinken hier wirklich fast jeden Morgen oder Abend Milch. Kann also irgendwie nicht sein.) In der Schule zu frühstücken gefällt mir. Bis wir da sind, habe ich nämlich auch langsam Hunger. Wenn wir zuhause frühstücken, essen wir oftmals Nudelsuppe oder Reis in Wasser (wie nennt man das? … Rice porridge in Englisch, 稀饭 in Chinesisch, wem’s hilft). Oder Sojamilch (glaube ich) mit so einem frittiertem Gebäck, dass man dann in der Milch tunkt, das mag ich aber nicht so. Dazu gibt es manchmal noch gekochte Eier, Milch, süsses Gebäck oder auch Gemüse. Also doch ziemlich anders als unser Frühstück. Aber ich find’s ganz okay. Also eigentlich sogar gut. Nur mit den chinesischen gekochten Eiern habe ich mich noch nicht angefreundet. Und das Reiswasser/Wasserreis-Zeug schmeckt nach nichts, ist aber essbar. Manchmal mischt man da auch noch Resten rein, dann schmeckt es dann nach Sauce. Und der Rest ist fein. Ach ja, chinesische Schoggimuffins sind auch nicht gut, wie etwa alles, das gebacken werden sollte. Wahrscheinlich waren diese Muffins zwar schon gebacken, ab er die waren innen wie Pudding. Vielleicht war auch einfach kein Mehl darin. Oder es war Reismehl. Wir sind hier ja im Süden, und da hat man eigentlich kein Getreide. Das gibt’s im Norden. Hier ist alles aus Reis. Die Nudeln auch, glaube ich. (Das mit den Nudeln ist auch so kompliziert, dafür gibt es zwei verschiedene chinesische Wörter. Vielleicht sind die einen doch aus Getreide. Hmm. Und habt ihr schon mal Nudeln aus Kartoffeln gegessen? Ich auch nicht, aber das kam im Fernsehen, das kann man hier anscheinend auch kaufen.)

 

~ 6:50 – 7:10 Wir laufen zur Schule und kaufen uns auf dem Weg das Frühstück, falls wir nicht schon zuhause gefrühstückt haben. (Oder wir kaufen Nudeln, essen die dann aber gar nicht selbst, sondern bringen sie irgendeiner Klassenkameradin mit. Das gibt es öfter mal, die Nudeln von unserem Schulweg sind ziemlich beliebt. Und dafür bringt uns dann dafür ab und zu jemand das Frühstück mit. Sehr kompliziert diese Sache… Wenn es dumm läuft, kann dann auch plötzlich sein, dass wir Nudeln gekauft hatten für jemanden, der selbst Nudeln mitgebracht hatte. Aber normalerweise haben sie es im Griff mit dem Organisieren. Also Frühstück-Organisieren. Ansonsten ist chinesische Organisation, naja, gewöhnungsbedürftig.) Unser Schulweg ist glücklicherweise wirklich sehr kurz. Wenn ich alleine laufe, brauche ich etwa 10 Minuten, sonst mindestens 15 Minuten, Chinesinnen laufen gerne langsam, habe ich festgestellt. Und ja, wir laufen. (Also gehen, in richtigem Deutsch. Von laufenden (bzw. rennenden) Schülern werden wir dann manchmal überholt. Wir sind nämlich meistens ziemlich spät da. Da rennen gewisse Schüler auch schon, um noch ins Schulzimmer gelassen zu werden oder so. Aber das ist eben bei jeder Klasse anders. In unserer Klasse sind wir dann meistens doch noch unter den Ersten, die da sind. Aber in allen anderen Klassenzimmern sind sie schon fleissig am Lesen. Ja, das ist nicht so die beliebteste Klasse, glaube ich. Also unter den Lehrern. Ich mag sie ja.) Das ist nicht unbedingt normal, dass man in die Schule laufen kann. Viele Leute wohnen ziemlich weit weg von der Schule, da man die Schule nicht danach aussucht, ob sie nahe von Zuhause ist, sondern halt die beste, die das Kind besuchen kann und die man sich leisten kann. (Glaube ich, so genau weiss ich das aber eigentlich auch nicht.) Und da unsere Schule angeblich die beste Mittelschule in Nanchang sein soll, wohnen die meisten Schüler natürlich nicht so nahe. (Das mit der besten Mittelschule in Nanchang habe ich mal so gehört. Irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen bei dieser Schule. Wobei, sie ist ganz in Ordnung, man kann es halt nicht mit einer Schweizer Schule vergleichen. Also so was das Gebäude, Möbel, Ausstattung etc. angeht. Aber welche Mittelschule in der Schweiz hat schon ein Teleskop auf dem Dach oder ein International Department inklusive eigenem Büro? Der bessere Grund, weshalb die Schule wirklich die beste von Nanchang sein könnte, ist aber dieser: Unsere Schule heisst 南昌大学附属中学. Nanchang Daxue Fushu Zhongxue. 中学 heisst Mittelschule, und zwar wörtlich. Bei uns kann man auch so sagen, oder? Ansonsten: Das ist unsere Kanti. Die „kleine Schule“ 小学 ist die Primarschule, die „grosse Schule“ 大学 ist die Universität. Eigentlich ist Chinesisch ganz einfach. Die beiden Zeichen 附属 im Schulnamen, die jetzt noch nicht übersetzt sind, bedeuten auf Englisch ‚attached‘ oder ‚affiliated‘, auf Deutsch irgendwie ‚angehängt‘ oder so. So ganz sinnvoll übersetzen kann ich das irgendwie nicht. „Die an die Universität Nanchang angehängte Mittelschule“ tönt (für Leon klingt) dann doch etwas blöd. Die Mittelschule der Universität Nanchang würde man vielleicht sagen. Aber solche „Anhängungen“ gibt’s in der Schweiz auch nicht so häufig. In China ist 附属 ein wichtiges Wort. Die Nanchang University hat neben der Mittelschule natürlich auch noch eine dazugehörige Primarschule und mindestens ‚Das erste an die Nanchang University angehängte Krankenhaus‘ und ‚Das zweite an die Nanchang University angehängte Krankenhaus‘. Wahrscheinlich gibt’s da auch noch mehr Sachen. Und weil diese Universität so viele Anhängsel hat, muss sie natürlich die beste Universität der Stadt sein (Das hätte man wahrscheinlich auch schon am Namen erkannt). Und weil das die Provinzhauptstadt ist, gleich auch noch die beste von der Provinz. Und weil wir die daran angehängte Mittelschule sind, muss das also auch die beste Mittelschule der Stadt bzw. vielleicht auch der Provinz sein. Ob sie es wirklich ist, weiss ich immer noch nicht. Aber immerhin hat sie den nach der besten Schule klingende Name, was schon einmal gut ist. Äusserer Schein und Ruf ist in China auch bei Schulen extrem wichtig (Es wird gemunkelt, dass das Teleskop gar nicht funktioniert. Stimmt aber nicht, glaube ich. Und ansonsten: Immerhin haben alle die Kugel auf dem Dach gesehen, darum ging es ja). Und der Name ist doch der erste Eindruck.) Wo war ich? Dass viele Schüler weit weg von der Schule wohnen, weil das eben eine gute Schule ist/sein soll. Viele Schüler kommen also mit dem Bus zur Schule. (Da bin ich ganz froh, dass mir das erspart bleibt. In den Bussen merkt man jeweils, wie viele Chinesen es gibt. Keine gute Logik, ich weiss. Aber so volle Busse gibt es in der Schweiz wirklich nicht.) Oder mit dem Velo, oder fast noch beliebter, Elektroroller (Ich weiss nicht genau, wie das auf Deutsch heisst. Sieht je nach dem mehr wie ein Elektrobike oder wie ein richtiger Töff aus, man muss aber nicht treten und das Ganze funktioniert mit Strom. Und jede chinesische Familie hat so ein Ding, zumindest fast. Eine Prüfung braucht man dafür in China natürlich nicht. Ist also wirklich ein ziemlich praktisches Verkehrsmittel. Aber mir macht chinesischer Verkehr immer noch ein bisschen angst, ganz ehrlich.) Und für die, die noch weiter weg wohnen gibt es ein Wohnheim, aber ich weiss immer noch nicht, wo das eigentlich ist. Hm. Naja, jedenfalls, ich laufe wie gesagt zur Schule und bin ganz froh darüber. Mein Schulweg war ziemlich einfach zu merken. Die Strasse lang bis zur Kreuzung, rechts abbiegen, und dann wieder die Strasse lang, bis man vor der Schule steht. Zwischen unserem Zuhause und der Kreuzung gibt es einen kleinen Supermarkt, eine Polizeistation (Wäre auch komisch, wenn nicht.), gefühlte 100 Autogaragen (10 hintereinander, der Rest ist hinter dieser ersten Reihe. Weshalb sortieren die hier ihre Geschäfte? Es gibt eine Strasse, da ist mindestens jedes zweite Geschäft ein Sportgeschäft. Jede chinesische und westliche Sportmarke, und dann nochmals von vorne. Und wenn es irgendwo einen Blumenladen hat, sind die nächsten fünf Läden bestimmt auch Blumenläden), ein Restaurant (Ein teures, wo jeden zweiten Mittag ein Brautpaar steht. Was mich nicht stört, solange sie keine Knaller ablassen), oh genau, ein Feuerwerksladen hat es auch noch (Ein Geschäft mit nichts anderem als Feuerwerk und so Knall-Zeug. China…). Dann gibt es noch ein Haus, von dem ich auch nicht weiss, was es ist, zwei Busstationen und ein paar Büsche. Im Ecken der Kreuzung ist eine riesige Baustelle. Nach der Kreuzung kommt nicht mehr viel, eigentlich nur ein paar Büsche, hinter denen der Sportplatz liegt und dann der Zaun der Schule. Dann müssen wir durch das Schultor, wo ein Uniformierter steht und schaut, dass auch alle ihr Fahrrad stossen. Falls man zu spät ist oder mitten während einer Lektion geht, ist das Tor geschlossen und man muss durch das Häuschen neben dem Tor gehen. Und dann kommt der Eingang der Schule und danach zwei Treppen (in den 3. Stock).

 

7:10 – 7:50 Um 7:10 Uhr müssen wir im Schulzimmer sein. Nachher gibt es Leseübungen. Die heissen ‚morgendliches Lesen‘ und sind je nach Tag in Englisch oder Chinesisch. Wenn es Chinesisch ist, lesen sie einfach einen Text aus dem Buch laut vor, alle gleichzeitig und zusammen. In Englisch wird das Vokabular geübt. Entweder lesen sie es auch zusammen vor, dann aber jedes Wort gleich dreimal hintereinander: „Characteristic, characteristic, characteristic, radium, radium, radium, painter, painter, painter, put forward, put forward, put forward, …“ Das waren die ersten vier Wörter von Unit eins des ersten Buches, unterdessen sind sie beim zweiten Buch. Ich habe diese Wörter sooo häufig gehört… :-) Eine andere Variante ist, dass jemand ein Wort vorliest und dann die Klasse nachspricht. Das darf ich jetzt immer machen, weil das Mädchen, das das machen müsste, überhaupt keine Lust darauf hat. Am einen Tag gibt’s noch Hörverständnisübungen aus dem Lautsprecher.

Am Montag gibt’s anstelle der Leseübungen die Montagmorgenzeremonie. Wie das wirklich heisst, weiss ich nicht. Vielleicht Flag Rising Ceremony, aber irgendwie bringe ich es nicht fertig, das vernünftig zu übersetzen. Auch egal. Eigentlich wäre ja sowieso der chinesische Name wichtiger, aber den weiss ich auch nicht. Auf jeden Fall funktioniert das so: Am Montagmorgen vor der ersten Stunde erklingt Marschmusik aus den Lautsprechern, worauf alle Schüler auf den Sportplatz runterlaufen und sich da in Reihen aufstellen. Von der 初一(1)班 (das wäre an der Kanti die Klasse 1a. 初一 bedeutet die erste Klasse der Unterstufe von der Mittelschule. Die Chinesen haben auch sechs Jahre Primarschule und sechs Jahre Mittelschule (Gymnasium). Die Mittelschule teilen sie nochmals in Ober- und Unterstufe ein, die je drei Jahre geht. Unsere Schule hat auch zwei Gebäude, je eines für Unter- und Oberstufe. Und(1)班 bedeutet einfach die Klasse Nummer eins in diesem Jahrgang, wir haben dafür ja die Buchstaben) bis zur 高三(13)班 (= Klasse 6m). Wie viele Leute das sind, könnt ihr jetzt selbst ausrechnen. Etwa 6 Jahrgänge*13 Klassen*60 SchülerInnen. Der Sportplatzt ist jedenfalls ziemlich ausgefüllt mit allen Schülern. Zuvorderst werden dann die Schilder mit der Klassennummer aufgestellt und dahinter kommt die Reihe mit den Schülern. Die möglichst gerade und mit gleichmässigen Abständen sein sollte. Das wird dann auch immer vom Klassenlehrer kontrolliert. Die Zeremonie selbst geht schnell: Drei Schüler marschieren mit der chinesischen Flagge zur Fahnenstange, ziehen sie auf (heisst das so?), während die Nationalhymne aus den Lautsprechern tönt und marschieren wieder davon. Danach gibt’s noch kurz Reden von irgendwelchen Leuten und dann gehen alle wieder nach oben. Zuerst die äussersten Klassen, zuletzt die in der Mitte. Die in der Mitte stehen da wirklich noch ziemlich lange, bis sie gehen dürfen. Und das sieht jeweils aus wie eine Völkerwanderung oder so… Sooo viele Leute! Falls es übrigens mal regnen sollte (das ist am Montagmorgen erst einmal passiert, seit ich hier bin, glaube ich), macht man das Ganze einfach über Lautsprecher. Also die Musik und die Reden, beim Rest geht das ja schlecht.

 

7:55 – 8:35 1. Schulstunde. Den Unterricht verstehe ich immer noch nicht. Das habe ich aber auch nie anders erwartet. Ich kann während den Schulstunden also machen, was ich will. Solange es nicht stört. Aber die Lehrer beachten mich sowieso nicht. Während dieser Zeit lerne ich also Chinesisch, schreibe Tagebuch oder Briefe, mache gar nichts, versuche mal die Mathistunde zu verstehen (hoffnungslos…), hören im Englischunterricht zu (und gebe das bald wieder auf, weil die Lehrerin fast nur Chinesisch spricht), schreibe mit einer Klassenkameradin Briefchen auf Chinesisch, lasse mir von meiner Pultnachbarin irgendwelche chinesische Gedichte beibringen, surfe mit dem Handy im Internet (Nein, das darf man natürlich nicht. Aber die Chinesen machen das auch andauernd) oder male ein bisschen. Ja, das ist ungefähr so die Auswahl an Möglichkeiten. Schlafen könnte man auch noch, aber das kann ich einfach nicht. Und die Lehrer sehen das sowieso nicht soo gerne. Manchmal wecken sie die Schüler dann einfach wieder auf. Aber nur manchmal. Ja, mich hat es auch ein bisschen überrascht, dass das hier so locker ist im Unterricht. Also von wegen Aufpassen, ruhig sein etc. Das kommt vielleicht auch ein bisschen davon, dass es so grosse Klassen sind. Da sieht der Lehrer eh nicht, was die Schüler alle machen. Aber es interessiert die Lehrer auch nicht gross. Wobei, natürlich kommt es auf die Lehrer an, wir haben auch ziemlich strenge Lehrer. Und ab und zu wird auch mal ein Schüler rausgeschickt. Oder die Schüler, die zu spät kommen, müssen hinten im Schulzimmer stehen. Und eben, unsere Klasse ist absolut keine Vorzeigeklasse und die Lehrer nerven sich ziemlich darüber. Sie halten auch dauernd Vorträge, dass das so nicht weitergehen kann, aber viel zu nützen scheint es nicht. (Übrigens, an dieser Stelle ganz liebe Grüsse ans 5d! :-D)

 

8:35 – 8:45 Zwischen jeder Schulstunde gibt es zehn Minuten Pause. In dieser Zeit kann man essen, schlafen, auf die Toilette gehen, … Ach ja, Toiletten: Ich habe den WC-Blog nicht vergessen. Ich habe nur noch keine Fotos gemacht. Zu den Toiletten in der Schule schreibe ich darum jetzt auch mal nicht mehr, das kommt dann alles im WC-Blog. :-D

 

8:45 – 9:25 2. Schulstunde. Der Unterricht ist schon nicht ganz gleich wie in der Schweiz. Es ist eher Frontalunterricht. Meistens müssen die Schüler entweder Texte in ihren Büchern lesen, der Lehrer erzählt etwas, er diktiert, was sie schreiben müssen oder sie müssen es von einer PowerPoint Präsentation abschreiben. Oder von der Wandtafel. Aber in der Schule hat es so total coole Tafeln. Also, es gibt zwar noch so eine ganz normale, grüne Wandtafel in jedem Zimmer. Die besteht aus vier Teilen, die inneren beiden Teile kann man über die äusseren schieben. Und da kommt dann so eine weisse Fläche hervor. Darauf wird mit dem Beamer projektiert. Das haben wir in der Kanti ja auch noch. Aber dann… Da gibt es so einen Stift, mit dem kann der Lehrer einfach auf die Leinwand schreiben. Oder zur nächsten Folie schalten. Oder zeichnen. Wie auf einem Touchscreen. Keine Ahnung wie das genau funktioniert, es ist schon kein Touchscreen, es funktioniert nur mit dem speziellen Stift, und auch nur, wenn die Batterie davon nicht leer ist. Aber ich muss sagen, das ist irgendwie recht lustig. Und praktisch. Und es passt so überhaupt nicht in das Schulzimmer rein, das sonst nämlich nicht unbedingt modern aussieht.

 

9:25 – 9:35 10 Minuten Pause. Dafür braucht es drei verschiedene ‚Gongs‘, ‚Pausenklingel‘ oder wie man das nennen soll, es ist alles nicht so treffend. Es sind einfach irgendwelche Melodien, eine davon ‚Für Elise‘. Und drei verschiedene braucht es, weil es ja auch drei Mall läutet: Unterrichtsende (Offizielles, der Lehrer kann dann natürlich trotzdem noch weitermachen, wenn er will), Auf-die-Plätze-zurückgehen (Drei Minuten oder so bevor der Unterricht wieder beginnt) und Unterrichtsanfang (Offizieller, falls der Lehrer schon da ist. ;-D). Eigentlich ist das gar nicht so blöd. Wie vielmal habe ich in der Kanti schon gefragt, welches Läuten das jetzt gerade war… Die Lautsprecher werden hier sowieso ziemlich oft benutzt. Es gibt zwar keine Sekretariatsdurchsagen („Klassechefin Klass 3d, bitte is Sekretariat.“ Jetzt bekomme ich dann gleich Heimweh… :-D Es gibt hier auch gar kein Sekretariat, also erledigt sich das von selbst.), dafür werden die Lautsprecher sonst gerne öfters benutzt.

 

9:35 – 10:15 3. Schulstunde. Meine Klasse hat sechs Hauptfächer: Chinesisch, Englisch, Mathematik, Geografie, Geschichte und noch so ein Fach, das vielleicht Politik ist (und dessen Lehrer ein so lustiges Chinesisch spricht, dass mir das schon in der ersten Schulwoche aufgefallen ist. Meine Gastschwester hat dann gesagt, dass das wirklich so ist, der kommt eben vom Land. Und deshalb ist dieses Fach für mich einfach immer noch das Countrysideteacher-Fach… Ich finde diesen Lehrer sowieso irgendwie beängstigend. Aber meine Gastschwester meinte mal, der mache guten Unterricht. Aber jedenfalls schlägt der auch schon mal jeden Schüler auf die Hand, der in der Prüfung nicht gut genug war. Also, schon nicht so fest, die tragen keinen Schaden davon. Und irgendwie scheinen sie es noch ganz lustig gefunden zu haben. Aber naja, ich war da dann doch ein bisschen überrascht, in der Schweiz wäre der seinen Job wahrscheinlich ziemlich schnell los geworden). Es gibt auch noch andere Fächer, z.B. Biologie und Chemie. Aber da haben sie keine Prüfungen (oder jedenfalls keine, die von Bedeutung sind), also hört da dann endgültig niemand mehr zu. Wirklich. Die Lehrerin hält den Unterricht entweder für sich selbst oder macht sich die Mühe gar nicht erst und unterhaltet sich mit ein paar Schülern über ihre Nase. ;-)

 

10:15 – 10:40 In dieser Zeit ist die lange Pause für die Morning Exercises. Der Anfang und Schluss funktioniert gleich wie bei der Zeremonie am Montagmorgen. Und dazwischen gibt es die Morgengymnastik. Klingen tut das so: 一二三四五六七八 (yi er san si wu liu qi ba),二二三四五六七八,三二三四五六七八,四二三四五六七八。Danach wieder von vorne. Und dazwischen kommt noch der Name des Gymnastikteils oder so, aber das verstehe ich dann doch nicht. Alles aus dem Lautsprecher. Und Musik gibt’s dazu auch noch. Und aussehen sollte das ja eigentlich so, dass jeder einzelne Schüler genau das Gleiche macht, zur gleichen Zeit und auch schön mit gestreckten Armen etc. Aber an unserer Schule funktioniert das anscheinend nicht so ganz. Besonders in meiner Klasse. Da bewegen ein paar Einzelne ein bisschen die Arme, wenn es hoch kommt. Die Meisten stehen einfach nur da oder unterhalten sich ein bisschen. Aber bei den anderen Klassen sieht es schon besser aus. Das Ganze ist übrigens ziemlich schwierig, finde ich. Aber nach vier Jahren (oder auch zehn, wahrscheinlich macht man das auch in der Primarschule) jeden Tag machen, könnte man es eigentlich schon können, habe ich das Gefühl. Aber eben, jedenfalls in meiner Klasse kann es praktisch niemand auswendig. Und mit abschauen auch nicht wirklich. Wobei, als wir es im Turnunterricht geübt haben, hat es wenigstens schon besser ausgesehen als jeweils während den Morning Exercises. Aber ich bin ja sehr froh, dass ich nicht die einzige bin, die es nicht kann. Und die Sportlehrer haben anscheinend auch das Gefühl, dass ich es jetzt genug lang geübt habe. Nachdem ich irgendwie drei Lektionen lang Einzelunterricht erhalten habe (Und dafür nachher als Belohnung eine Flasche Eistee vom Lehrer bekommen habe :D). Chinesischer Turnunterricht ist sowieso ganz lustig. Also mehr oder weniger, je nach dem. :D Aber darüber schreibe ich dann ein anderes Mal. Übrigens haben wir jetzt denn bald drei Tage Sporttag. Und ich habe heute Abend erfahren, dass meine Klasse als Klassenuniform für die Mädchen jetzt doch ernsthaft ein rosaroter Häschenpullover ausgesucht hat. Mit Ohren an der Kapuze und Schwänzchen. Dabei standen gestern noch ganz schöne Sachen zur Auswahl. Oh Mann. :-D (Der Sporttag ist unterdessen schon laaange vorbei und es wurde dann doch nicht der Häschenpullover.)

 

10:40 – 11:20 4. Schulstunde: Am Dienstag haben wir in dieser Stunde (und am Freitag in der 5. Stunde) Sportunterricht. Nicht zu vergleichen mit Sportunterricht. Das fängt mal damit an, dass es an unserer Schule keine Turnhalle, sondern nur einen Sportplatz gibt. Garderoben fehlen auch, Sportkleider sind also auch kein Thema. Also macht man im Winter bei 2°C im Wintermantel, im Sommer bei 35°C mit dem T-Shirt, das man nachher noch eine halbe Woche trägt, Sport. Wobei, „Sport machen“ ist schon ein bisschen übertrieben. Eine Sportstunde geht etwa so: Am Anfang muss sich die Klasse in drei Reihen aufstellen, das eine Mädchen liest die Namen ab und hakt ab, wer da ist. Danach kann es vorkommen, dass der Lehrer sagt, wir müssten eine Runde rennen. Das löst grosses Gemaule aus, nachher spaziert man eine Runde um das Fussballfeld. Vielleicht joggt man ein paar Meter davon, damit man nicht als Letzte ankommt. Aber richtig zum Rennen bringt der Lehrer die Klasse nur, wenn er selbst der Klasse nachspringt. Danach sind alle völlig am Ende. Aber zum Glück kommt das nicht so häufig vor, dass man rennen muss. Einige Male mussten wir noch die Morning Exercises üben, und ein oder zweimal versuchte der Lehrer, irgendwelche Gymnastik mit uns zu machen. Und vor dem Sport Meeting mussten wir marschieren üben. Einmal konnten wir eine Lektion lang still dastehen als Strafe, dass immer so viele Leute zu spät kommen. Meistens aber passiert nach dem Namen abhaken gar nichts mehr. Die Jungen spielen dann Basketball. Ein Mädchen habe ich auf dem Basketballplatz noch nie gesehen. Die haben Zeit, etwas zu Essen zu kaufen, sich ein bisschen zu unterhalten, auszuruhen oder was auch immer. Einfach am Schluss der Stunde sollte man dann eigentlich wieder da sein, da werden die Namen nämlich nochmals abgehakt. Letzte Woche hatten wir aber ernsthaft eine Prüfung in Sport. Seilspringen. 120-mal hüpfen wäre das Ziel gewesen, nur weiss ich gar nicht mehr, wie lange man dafür Zeit hatte. Ich durfte das dann auch noch machen, der Sportlehrer ist nämlich der einzige, der mich nicht vollständig ignoriert. Tja. Ganz ehrlich, ich freue mich auf den Sportunterricht in der Schweiz. Okay, viel davon mache ich nicht so gerne, aber mal wieder ein bisschen Volleyball, Basketball, Baseball oder was auch immer zu spielen, wäre doch ganz lustig. Und ich habe langsam angst, auch noch so unsportlich wie die Chinesinnen zu werden.

 

11:20 – 11:30 Pause.

 

11:30 – 12:10 5. Schulstunde. Eine Schuluniform haben wir übrigens tatsächlich nicht. Sehr unchinesisch. Aber ich bin ganz froh darüber, vor allem bei diesen Temperaturen im Sommer. Da möchte ich nicht eine langärmlige Uniform tragen müssen. Chinesische Schuluniformen sind nämlich immer so bunte Trainer. (Okay, normalerweise gibt’s dann auch noch eine Variante mit T-Shirt für den Sommer.) Nicht wirklich schön, aber es sieht schon lustig aus, wenn da einfach ein paar tausend Leute die gleiche Kleidung tragen. Von dem her ist es fast ein bisschen schade, dass wir keine Schuluniform haben. :-)

 

12:12 Schulsong über Lautsprecher… Das ist etwas Neues, glaube ich. Am Anfang des Schuljahres gab es das jedenfalls noch nicht und die Schüler waren die ersten Male auch alle ziemlich erstaunt darüber. Und ich war ja zuerst der Meinung, dass das ein amerikanisches Weihnachtslied sein müsse. Keine Ahnung warum.

 

12:10 – 14:00 Mittagspause. Das Mittagessen habe ich mir ja immer total gestresst in einer überfüllten Kantine vorgestellt. Aber unsere Schule hat nicht einmal eine Kantine. (Ähm, doch, das weiss ich jetzt unterdessen. Die ist aber nicht in der Schule und gehört auch zur Uni, glaube ich.) Und wir haben 2 Stunden und 20 Minuten Pause. Das ist ja noch länger als in der Kanti. In dieser Zeit können wir gemütlich nach Hause gehen, dort essen und noch eine Stunde fernsehen oder so. Das ist sehr entspannend, vor allem im Sommer, weil es dann zuhause schön kalt ist. (Unterdessen haben wir jetzt eine halbe Stunde früher wieder Schule, seit Anfang Oktober. Weil es im Sommer einfach so heiss ist am Mittag, denke ich. Der Unterricht beginnt jetzt um 14:00 wieder, vorher erst um halb drei. Am Nachmittag und Abend war also auch alles eine halbe Stunde später. Jetzt haben wir am Nachmittag früher fertig, das ist auch schön.) Es gibt aber auch viele Schüler, die nicht nach Hause gehen und dann irgendwo auf der Strasse oder in einem Restaurant etwas zu essen kaufen.

 

14:00 – 14:40 1. Schulstunde. Am Nachmittag habe ich nicht mit meiner Klasse Unterricht, sondern mit den beiden anderen Austauschschülern. Am Montag und Mittwoch haben wir zum Beispiel in den ersten beiden Lektionen Kalligrafie/chinesische Malerei. Da habe ich jetzt aber unterdessen schon so viele Fotos, dass ich da bald einen eigenen Blogartikel darüber schreiben werde. Ich würde den Artikel gerne nämlich irgendwann (nach jetzt mindestens drei Monaten) fertig haben.

 

14:40 – 14:50 10 Minuten Pause. Übrigens, diese Schule hat zu viele Treppen. Unser Gebäude hat fünf Stockwerke, das andere (1. bis 3. Klasse) sechs. Ich bin einmal sechzehn (!) Treppen rauf- oder runtergelaufen, um ein paar Blätter zu holen, die die Chinesischlehrerin in ihrem Büro (im anderen Gebäude) vergessen hatte.

 

14:50 – 15:30 2. Schulstunde. Am Dienstag haben wir in den ersten beiden Schulstunden Informatik. Was der Sinn davon ist, ist mir auch nicht ganz klar, aber die wollten uns wahrscheinlich einfach irgendwie beschäftigen. Am Anfang war ich auch extrem glücklich über diese Informatikstunden, denn: Internet! Yees! Naja, unterdessen langweile ich mich da meistens, weil das Internet einfach meistens gar nicht oder fast nicht funktioniert. Und ausserdem habe ich mein Handy mit Internet. Damit kann ich ganz gut leben. Aber ich freue mich schon wieder auf richtiges, schnelles Internet, wo auch alles funktioniert, und zwar auf dem eigenen Computer. Für die Chinesen ist die Informatikstunde übrigens auch nur Spiele spielen oder chatten. Meistens jedenfalls. Jetzt haben sie dann irgendwann mal eine Prüfung über Word etc. und sollten dafür auch üben. Aber bis da hatten sie eigentlich nie etwas zu tun während der Informatikstunde.

 

15:30 – 15:40 In dieser Pause sind die Eyes Exercises: Augenentspannungsübungen bzw. Gesichtsmassage. Das findet am Nachmittag zwischen der 2. und 3. Lektion statt. Musik und 一二三四五六七八 … aus dem Lautsprecher. Und dazu massieren sich alle Schüler im Takt irgendwelche Stellen im Gesicht. Oder das sollten sie zumindest. Es funktioniert also ähnlich wie die Morning Exercises, ist aber in den Schulzimmern. Deshalb verpasse ich das auch immer, weil ich am Nachmittag nicht in der Klasse bin. Ich höre nur manchmal die Musik aus den Schulzimmern.

 

15:40 – 16:20 3. Schulstunde. Pro Woche haben wir sieben Lektionen Chinesischunterricht. Das ist ja eigentlich super. Nur finde ich den Unterricht nicht allzu gut. Die Lehrerin ist nicht ganz 60 Jahre alt und erinnert mich seit der ersten Stunde und bis jetzt (gestern ist mir das wieder einmal richtig aufgefallen) an Frau Stucki. (Für alle, die mich so schlecht kennen, dass sie nie etwas von meiner geliebten Französischlehrerin mitbekommen haben: Mit Frau Stucki zu verglichen zu werden, ist auf jeden Fall kein Kompliment.) Es ist aber schon nicht ganz so schlimm. Sie mag uns noch immer, deshalb ist es okay. Aber ich lerne da einfach nicht viel. Und finde es ein bisschen unsinnig, was wir lernen sollten. Das ist irgendwie so eine Mischung aus zu schwer und zu einfach. Und sie kann einfach nicht erklären. Sie ist eben auch keine Chinesisch-für-Ausländer-Lehrerin, sondern eine Englischlehrerin. Das ist einfach nicht das Gleiche. (Ausserdem finde ich auch, dass Englischunterricht in China nicht unbedingt sinnvoll unterrichtet wird.) Und Miss Li ist die erste Chinesin, die ich getroffen habe, die das ‚r‘ wirklich nicht aussprechen kann. Jedenfalls nicht, wenn sie Englisch spricht, was sie sowieso viel zu häufig macht. Dafür spricht sie dann manchmal ein ‚r‘ statt ein ’l‘ im Chinesisch, was einer der Gründe ist, weshalb ich immer noch das Gefühl hat, dass sie nicht wirklich Hochchinesisch sprechen kann. Was aber nicht so schlimm ist. Jedenfalls, ich finde, es wäre sinnvoller, chinesische Grammatik zu lernen als Kindergeschichten zu lesen und danach jedes Zeichen davon lernen zu müssen, weil „tomolow we will have a dictation“. Ja, ich könnte mich jetzt aufregen, aber ich lasse es lieber und schreibe nicht mehr darüber. Ich lerne ja am Morgen normalerweise noch Chinesisch für mich selber, und das bringt es auch eher mehr, aber Miss Lis Stunden schaden jedenfalls auch nicht.

 

16:20 – 16:30 10 Minuten Pause. Ich weiss nicht mehr was schreiben, ehrlich… Ah doch, Ferien. Gibt es. Theoretisch. Meistens dauern sie drei Tage, wovon einer Sonntag ist. Beim chinesischen neuen Jahr gibt es dann einen Monat Ferien. Meine Klassenstufe hat 12 Tage oder so. (Kann sich natürlich noch ändern. Einen Ferienplan für die nächsten 10 Jahre wie in der Schweiz gibt an unserer Schule nämlich nicht. Ich kann damit leben, mehr als ein Schuljahr interessiert mich ja sowieso nicht. :-) Aber dass man es meistens eine Woche vorher noch nicht definitiv weiss, finde ich dann doch ziemlich kurzfristig. )

 

16:30 – 17:10 4. Schulstunde. Mittwoch und Donnerstagnachmittag hätten wir noch zwei Stunden ‚Activity Lessions‘. Das ist etwas wie das Ergänzungsfach in der Kanti, zwei Stunden, bei denen sie auswählen können, welches Fach sie besuchen wollen. Die Auswahl geht von Mathematik oder Chemie über Astrologie, Stricken und mehreren Sportarten bis zu Modelschiff bauen, Scherenschnitt oder Filme schauen. Aber, ganz ehrlich, meistens gehen wir dann doch einfach schon nach Hause.

 

Ich kann also je nach dem zwischen 15:40 und 17:10 nach Hause gehen, also ähnlich wie in der Schweiz. Für chinesische Verhältnisse ist das aber etwas wahnsinnig tolles, die chinesischen Schüler sind da nämlich nicht ganz so verwöhnt. Nachmittags nach der Schule hat zumindest meine Klasse eigentlich jeden Tag noch ein oder zwei Prüfungen, meistens bis fast 18:00 Uhr. Um 18:30 (glaube ich) fängt der Unterricht wieder an. Meine Schwester kommt also nicht nach Hause, sondern die Mutter bringt ihr das Essen zur Schule oder sie geht ins Restaurant oder in die Kantine essen oder kauft sich an einem Stand etwas. (Über chinesisches Essen muss ich auch mal schreiben, ich weiss. Aber der Artikel könnte fast so lange werden, wie der hier, also dürft ihr euch noch ein bisschen gedulden) Der Unterricht geht dann bis 21:00, um halb zehn ist sie zu Hause. So viel zu einem richtigen chinesischen Alltag. Das Wochenende besteht übrigens aus Sonntagmorgen, an dem sie ein bisschen Schlaf nachholen kann. Samstagabend und Sonntagnachmittag hat sie irgendwelchen speziellen Unterricht. Und es gibt auch Schüler, die am Abend nicht zur Schule gehen. Aber bei vielen sieht die Woche wahrscheinlich ähnlich aus. (Irgendwie habe ich stark das Gefühl, ich hätte das schon mal geschrieben. War wahrscheinlich nur in einem Email. Wenn nicht, habt ihr es jetzt halt zum zweiten Mal gelesen.)

 

18:00 Um diese Zeit essen wir normalerweise das Abendessen, also ich, meine Gastmutter und meistens auch der Gastvater.

 

21:30 Dann kommt meine Gastschwester nach Hause und spätestens dann setze ich mich auch zu den Gasteltern vor den Fernseher. Stimmt, über chinesisches Fernsehprogramm gibt es auch noch einen Blogartikel… Irgendwann. Wir essen dann noch eine Frucht (Orangen, im Moment. Kann man die Orangen in der Schweiz eigentlich auch irgendwie endlos lagern? Wir haben da zwei grosse Kartonschachteln davon zuhause, aber die sind immer noch genau gleich… Die sind sowieso anders, die haben eine Schale, die irgendwie etwa einen Zentimeter dick ist.)

 

22:30 Dann gehe ich irgendwann mal so langsam ins Bett. Ich bin hier irgendwie immer ziemlich müde. Okay, ich glaube, es wird besser. Aber mir fehlt der freie Samstag, und am Sonntagmorgen schlafe ich auch allerhöchstens bis 10 Uhr.

 

So, ich hoffe, das ist euch mal genug fürs Erste. (Fast 8 Word-Seiten und 6000 Wörter, übrigens… ) Ich schreibe dann gegen Ende des Jahres vielleicht nochmal ein bisschen etwas über chinesische Schule schreiben. Falls ich bis dann ein bisschen mehr verstehe, was die Schüler in der ganzen Zeit überhaupt lernen. Und wie das mit den Prüfungen funktioniert. Und überhaupt. Ich blicke bei ziemlich vielem immer noch nicht so durch.

 

So, liebe Grüsse und ein paar Fotos (Es kommen noch mehr, wenn ich aus Yunnan zurück bin):

 

Die Wandtafel während einer Chinesischstunde. Links musste Luisa etwas an die Wandtafel schreiben. Chinesisch Wandtafelschreiben ist echt schwierig. Ich kann das ja mit unseren Buchstaben schon nicht. :-) Oben: Wenn Miss Li mal wieder ein englisches Wort sagt, dass wir einfach nicht verstehen, schreibt sie es an die Tafel. Danach kommt immer der Aha-Moment. :-) Aber „chrisanthemum“ ist auch ein komisches Wort. In der Mitte stehen zwei Zeichen mit Pinyin, also der Umschrift für die Aussprache. Rechts davon hat wohl jemand schreiben geübt. Noch weiter rechts ein paar Zeichen, die wir können mussten. Mit Punkt darunter, falls wir es nicht konnten. Und ganz rechts das Punkteergebnis von irgendeinem Spiel. (Ja, unsere Lehrerin meint, ich hiesse MirandO, vielen Dank aber auch. Ich bringe ihr das jetzt aber nicht mehr bei. Irgendwie tut sie sich sowieso schwer mit unseren Namen. „Le… Lui… Mirando!“ Jedes Mal, wirklich.) Das Blaue rechts von den Namen sind die Punkte. Wie wenn wir so Fünf-Striche-Gruppen machen. Einfach sind die Grüppchen anders, das ist eigentlich das Zeichen 正 = ‚positiv (grösser als null)‘oder auch ‚gerade jetzt‘.

Das war am Lehrertag. Also ein landesweiter Feiertag zu Ehren der Lehrer. Frei gibt es da nicht, aber man ist lieb zu den Lehrern. Wir hatten da alle ein Kerzchen auf dem Pult und eine kleine Powerpoint (auf dem Fotos sind sie gerade am fertigbasteln – das war ein Stress. Und seht ihr, wie sie das von Hand an der weissen Tafel macht… Jaja, ich finde das ja wirklich cool.) mit einem Satz für jeden Lehrer oder so. Danach durfte jeder Lehrer nacheinander reinkommen, „Lehrer XX, fröhlicher Lehrertag!“ im Chor und ein kleines Geschenk, danach mussten sie die Kerzen ausblasen. War ganz süss. Irgendwie ist das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler sowieso lockerer als in der Schweiz. Gut, irgendwie auch überhaupt nicht. Aber bei den jungen Lehrerinnen bestimmt. Die sind wie Freundinnen, jedenfalls nach dem Unterricht. Die sehen aber auch aus wie Schweizer Maturandinnen und verhalten sich wie Schweizer 8. Klässlerinnen. Und bekommen zum Geburtstag ganz viele Süssigkeiten geschenkt, die sie am nächsten Tag wieder an ihre Lieblingsschülerinnen verschenken. Jaja.

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Kommentare: 3
  • #1

    Clarissa (Donnerstag, 12 Januar 2012 18:03)

    Also ich finde es echt höchst interessant, was du über die Schule schreibst! Wow, wie lange deine Gastschwester zur Schule gehen muss!! o.O Und irgendwie hab ich so das Gefühl, als ob nur wir in Deutschland bzw. in der Schweiz so "richtig" was lernen würden ^^'
    Ich hoffe, dass du "bald" einen Blogartikel über die WCs und Kaligraphie/chinesische Kunst und natürlich über das Essen ^^ machst, das würde mich wirklich interessieren!
    Ich hoffe du hast noch eine schöne Zeit da drüben!
    Gruß Clarissa

  • #2

    Nadine (Mittwoch, 15 Februar 2012 22:55)

    S esch eifach weder zuu lang häär sett dem iitrag.. Randi mer wend meh wösse.. vermesse dech <3 e tolli ziit no :D liebi Grüess nadine

  • #3

    einjahrchina (Freitag, 17 Februar 2012 08:20)

    Nadine: Ech weiss, tscholdigong. Ech han Ferie gha, zellt das als Entscholdigong? Okay, nei, ech weiss. Aber jetzt han ech jo ändlech mol de Artikel öber Yunnan fertigbrocht. Ond es paar anderi Artikel send agfange, ech probier sie gli fertigzmache.

    Clarissa: Mit dem "bald" ist das eben so eine Sache, aber es kommt noch, irgendwann, versprochen.

Ja, ich bin eine schreckliche Blogschreiberin. In letzter Zeit habe ich es eigentlich sogar fast geschafft, mein Versprechen einzuhalten und zwei Artikel pro Woche zu schreiben. Nur habe ich immer nur damit begonnen und sie nicht zu Ende geschrieben. Das hole ich gerade nach und lade die Artikel dann nach und nach hoch. Fragt euch also nicht, wenn ploetzlich ein Blogartikel von Ende Februar auftaucht, den ihr vorher noch nie gesehen habt! Kürzlich hochgeladen:

Dieser blog soll euch während meinem austauschjahr in china 2011/2012 ein bisschen auf dem laufenden halten.

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danke

an alle, die irgendwie dazu beigetragen haben, diesen traum zu verwirklichen.

谢谢。