gewünscht

Ich wollte euch noch schnell frohe Weihnachten wünschen. Es ist ja noch nicht einmal wirklich zu spät dazu. Gerade ist bei mir 11:00 Uhr morgens am 26. Dezember. Der Stephanstag gehört doch eindeutig noch zu Weihnachten. Bei euch in Europa hat der Tag noch nicht einmal richtig begonnen, ihr schläft alle noch. Hoffe ich doch. Und in Amerika sind sie vielleicht immer noch am feiern. Aber für mich ist Weihnachten eindeutig vorbei. Wirklich weihnachtlich war es aber auch nicht. Macht nichts, das habe ich auch nicht erwartet. Chinesen feiern Weihnachten ja nicht, logischerweise. Christen gibt es nämlich nicht viele in China. (Unser Kalligrafielehrer ist Katholik. Keine Ahnung weshalb. Das muss ich ihn mal fragen, fällt mir gerade ein. Aber vielleicht besser erst in ein paar Monaten. Es ist nämlich ein bisschen schwierig, sich mit ihm zu unterhalten. Er verständigt sich immer noch am liebsten mit Zeichensprache mit uns, weil er glaubt, wir könnten immer noch kein Wort Chinesisch. Aber sein Chinesisch verstehe ich oft auch nicht…) Ein bisschen etwas von Weihnachten kommt man hier aber trotzdem mit. In China gilt die USA ja irgendwie als wahnsinnig toll. Dementsprechend wird gerne versucht, möglichst westlich zu sein. (westlich=amerikanisch). Ich glaube, ziemlich viele Chinesen haben das Gefühl, dass alle westlichen Länder wie die USA sind. Oder auch, dass alle Ausländer (die einigermassen westlich aussehen) in China Amerikaner sind. Und wenn irgendein komischer Ausländer nicht Amerikaner ist, ist wenigstens seine Muttersprache bestimmt auch Englisch. Ich wurde auch schon gefragt, ob ich denn Amerikanerin oder Engländerin sei. (Und nein, ich hatte nicht ein einziges Wort Englisch gesprochen, sondern mich schön auf Chinesisch mit der Verkäuferin unterhalten. Die war eigentlich ganz nett. Und hat mich nachher total abgezockt und viel zu viel für meinen Schal verlangt. Deshalb hat mich meine Schwester dann am nächsten Tag mehr oder weniger ausgelacht. Woher soll ich denn bitte wissen, dass 5 Franken vieeel zu viel für einen Schal sind?) Wobei, in letzter Zeit meinen alle, ich sei Russin. (Warum auch nicht. Die Blonden in den chinesischen Fernsehserien sind auch meistens Russen. Die Engländer sind rothaarig. Und viel mehr an Ausländer gibt’s nicht im chinesischen Fernsehen.) Aber ich will mich ja nicht beklagen, für uns sehen auch alle Asiaten gleich aus. (Tun sie nicht. Mal abgesehen von dunklen Augen und schwarzen Haaren. Nur die Männer sehen irgendwie manchmal doch zu ähnlich – oder einfach so zu normal – aus, als dass ich sie unterscheiden könnte. Aber es wird besser. :-) Und übrigens kann man auch Chinesen von anderen Asiaten unterscheiden. Man kann, ich kann nicht. Aber so langsam kommt auch das. Japaner sehen komisch aus. (Und haben einen Schnauz – manchmal, in den ganzen Kriegsserien.) Und naja, Koreaner sehen eigentlich auch komisch aus. Aber wieder anders. Hm, ich habe eindeutig zu viele Chinesen gesehen. Ich sehe schon dauernd Chinesen, die gar nicht mehr wie Chinesen aussehen…) Und wenigstens wissen die Chinesen immer, dass es die Schweiz gibt. (Falls sie mich dann verstehen. Ich mag dieses Wort nicht. 瑞士. Je nach dem, wer es ausspricht, etwas zwischen Reishi, Ruisi und Lisi. Tzzz. Aber doch, in letzter Zeit wurde ich verstanden. Das merkt man daran, dass danach sofort 手表 shoubiao kommt. Uhren. Wenn nicht, hat die Person nicht verstanden, meint, es sei ein Land, dass sie nicht kennt, nickt und fragt nicht weiter.) Viel mehr wissen sie dann meistens aber auch nicht über die Schweiz. Vielleicht noch die Alpen. Aber das kann man auch nicht wirklich erwarten, finde ich. Dafür ist die Schweiz dann doch zu klein, weit weg und für einen normalen Chinesen einfach absolut unwichtig. Also, ich bin gerade wieder überhaupt nicht mehr bei Weihnachten. Ich wollte nur schreiben: Die meisten Chinesen wissen nicht viel über die westliche Welt oder stellen sich etwas Falsches darunter vor. Ich denke deswegen jetzt aber nicht, dass sie alle dumm sind oder so. Ihre Welt ist einfach oft ziemlich auf China begrenzt. Also, westlich = cool, westlich = amerikanisch. Sprich: An den Fensterscheiben jedes zweiten Geschäftes kleben Santa Claus und Merry Christmas – oder auch mal TMASMERRYCHRIS. Vor oder in den teuren Geschäften und Restaurants gibt es dann noch einen Weihnachtsbaum. Der ist entweder ganz schrecklich, geschmackslos billig oder ganz schrecklich, geschmackslos kitschig dekoriert. Aus Plastik sind die Bäume sowieso, wenn man Glück hat, sind sie wenigstens grün (und nicht rot, wie vor dem Restaurant auf meinem Schulweg.) Und falls es Lichter darauf hat (eine Kerze habe ich im ganzen Dezember nicht gesehen), blinken die selbstverständlich in allen Farben. So viel zu weihnachtlicher Atmosphäre.

Gefeiert habe ich Weihnachten dann (natürlich) auch nicht richtig. Am 22. Dezember sind wir Austauschschüler mit den zukünftigen AFSer der Schule (Zwei Mädchen und drei Jungen, die wahrscheinlich im Sommer mit AFS ins Ausland gehen werden, zwei davon wahrscheinlich in die Schweiz, auch wenn das mindestens bei einer nicht der erste Wunsch war) in die Klassen gegangen und haben Süssigkeiten verteilt. Der Deutsche durfte Santa Claus spielen.

Am 24. Dezember waren wieder einmal so Prüfungen, also mussten wir ganz offiziell nicht zur Schule gehen. Am Nachmittag (nach den Prüfungen) fand dann die Christmas Party der Schule statt. Das war einfach so eine Veranstaltungen, wo es eine Menge schlechter Darbietungen gab. Wir, die chinesischen AFSer, die China-Kanada-Klasse (Die wollen in Kanada studieren gehen) und die Deutschland-Gruppe (So 20 Leute oder so, die 2 (?) Wochen in Deutschland waren. Im April kommen ihre Austauschpartner dann nach Nanchang – da freuen wir uns schon darauf) mussten da natürlich mitmachen. Unsere Schule ist ja so toll international, dass man sogar Weihnachten feiert. Es gab aber auch noch andere Darbietungen. Hauptsächlich wurde gesungen – meine Ohren!! Ehrlich. Ich finde es ja schön, dass Chinesen so vom Singen begeistert sind und sich nicht schämen, vor vielen Leuten zu singen, selbst wenn sie nicht so perfekt singen. Und es gibt auch viele, die richtig gut singen. Aber manchmal bekomme ich auch das Gefühl, dass Chinesen einfach schrecklich unmusikalisch sind. Nicht nur, weil sie schlecht singen, sondern auch, weil sie es aushalten, da noch zuzuhören. Naja. Das Schlimmste waren ja die Mikrofone, die viel zu laut waren und irgendeine Störung hatte, dass es dauernd gaaaanz schrecklich gequietscht hat. Wir haben übrigens „Rudolph, the Red Nosed Reindeer“ vorgesungen und -gespielt. Dafür sind wir mindestens eine Woche jeden Abend zur Schule gegangen, um zu ‚proben‘. Jaja, wir haben auch das überlebt. Solche Anlässe sind einfach so typisch chinesisch. Ich bin echt froh, dass es in der Schweiz nicht nötig ist, die Schule (oder was auch immer) dauernd so zu präsentieren. Oder was auch immer. Zugeschaut haben ja doch nur ein paar Schüler und Lehrer, was das bringen soll…

Danach sind wir mit zwei Lehrern an die Universität gefahren. Die grosse Universität, die irgendwo, ganz weit weg, ausserhalb von Nanchang liegt und wirklich riesig ist. Dort war nämlich eine Ausländische-Austauschschüler-Weihnachts-Abend-Veranstaltung. Das war quasi nochmals das Gleiche wie am Nachmittag, nur diesmal von der Universität und dementsprechend um einiges grösser, professioneller und erträglicher. Und es waren nicht Chinesen, die gesungen haben. ;-) Oder doch, aber nicht nur. Es waren tatsächlich ziemlich viele Ausländer da, vor allem Afrikaner, irgendwie war da eine ganze Delegation aus Mali. Wir sind aber nicht bis zum Schluss geblieben, sondern mit ein paar anderen Ausländern, die Leon und Luisa schon kannten, zu KTV (Karaoke) gegangen.

Am 25. Dezember habe ich es durch eine ganze Reihe von Missverständnissen und blöden Zufällen hinbekommen, dass meine Gastfamilie wegen, aber nicht mit mir ins Restaurant essen gegangen ist, meine Klassenkameradin, mit der ich Fondue Chinoise (Hotpot) essen gehen wollte, krank war und ich alleine zuhause war und danach die Resten, die meine Gastfamilie nach Hause gebracht habt, gegessen habe. Ja, das war nicht so toll…

Und am Montag, dem 26. Dezember, bin ich schön brav wieder in die Schule gegangen und habe angefangen, diesen Blogartikel zu schreiben. Jetzt ist es Freitag, der 17. Februar. Und der Blogartikel ist fast fertig. Ja, ich muss mich wirklich bessern.

Vielen Dank übrigens an alle, die mir ein Paket, Brief, Mail oder SMS geschrieben haben. Ich habe mich gefreut, auch wenn es erst im Januar angekommen ist. Wie meine Briefe, danke ChinaPost. An alle, die keinen Brief bekommen haben: Ich hoffe, ihr hattet trotzdem schöne Weihnachten. :-) Tut mir leid, ich bin bei Weitem nicht dazu gekommen, all die Briefe, die ich eigentlich schreiben wollte, zu schreiben. Mit ein bisschen mehr Adventsstimmung hätte das vielleicht auch besser geklappt. Und an alle, die mir geschrieben haben und immer noch keine Antwort bekommen haben: Entschuldigung, in Briefe/Mails beantworten bin ich nicht viel besser als im regelmässig Blog schreiben. Aber ich bin gerade dabei, eine Serie Postkarten und Briefe zu schicken. Die kommen dann vielleicht Anfang März bei euch an. Hach, könnte ich mich über diese Post aufregen. :-)

Grüsse in die Schweiz! Ich hoffe, ihr seid alle nicht erfroren. Ach ja, viel Spass an der Fasnacht und noch schöne Ferien an alle, die damit verwöhnt sind!

PS: Ich habe bei „gesessen“ wie versprochen noch ein paar Bilder hinzugefügt und die Bildlegenden geschrieben, also schaut euch das doch nochmals an, wenn ihr wollt.

 

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Ja, ich bin eine schreckliche Blogschreiberin. In letzter Zeit habe ich es eigentlich sogar fast geschafft, mein Versprechen einzuhalten und zwei Artikel pro Woche zu schreiben. Nur habe ich immer nur damit begonnen und sie nicht zu Ende geschrieben. Das hole ich gerade nach und lade die Artikel dann nach und nach hoch. Fragt euch also nicht, wenn ploetzlich ein Blogartikel von Ende Februar auftaucht, den ihr vorher noch nie gesehen habt! Kürzlich hochgeladen:

Dieser blog soll euch während meinem austauschjahr in china 2011/2012 ein bisschen auf dem laufenden halten.

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an alle, die irgendwie dazu beigetragen haben, diesen traum zu verwirklichen.

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